[Rezi] Dragon Magazine #20 – The Horrible Halloween Issue

Dragon #20„The Horrible Halloween Issue“, so stehts auf dem Titelbild des zwanzigsten Drachens und passend dazu sehen wir eine Geisterkutsche auf einer Höllenfahrt durch den Wald. Nettes Bild, auch wenn die Gesichtsausdrücke der armen Reisenden eher komisch als schreckenserfüllt wirken.

Im Editorial wird eine neuerliche Preissteigerung begründet, ansonsten erfahren wir vor allem über die für die Folgemonate geplanten Inhalte, wobei sich Tim Kask besonders viel Zeit für die Rechtfertigung nimmt, warum er dem Spiel „Rail Baron“ Platz einzuräumen gedenkt, wozu er eine sehr weite Definition des Begriffs Fantasy vornimmt (in die auch Monopoly passen würde).

The Making of a Winner handelt von der Entstehungsgeschichte des Spiels Imperium, das 1977 den Strategist’s Club Award als herausragendes Spiel des Jahres erhielt. Autor Mark Millers Beitrag schildert die verschiedenen Vorlagen, derer man sich beim Design des Spiels bediente, was einen ganz interessanten Einblick in die Denkweise der Designer ermöglicht. Ansonsten bleibt mir der Artikel vor allem wegen eines amüsanten Nebensatzes in Erinnerung: Millar wundert sich nämlich darüber, warum der erste Teil der Star Wars Trilogie (heute: Episode IV) ausgerechnet diesen Titel erhalten habe, wo es dabei doch gar nicht um Sternenschlachten gehe. Da frag ich mich doch, was er dann von dem deutschen Titel „Krieg der Sterne“ gehalten hätte, wo doch die Sterne selber gar nicht kämpfen ^^.

Egal, jedenfalls beliefert Marc Miller uns noch mit den Rules Clarifications and Addendaa for Imperium, was der Vollständigkeit halber noch erwähnt werden sollte.

Im Dragon Rumbles #19 Redux werden die beiden Editorials der letzten Ausgabe erneut, bei denen in besagter Ausgabe einiges durcheinander gekommen war. Dazu gibt’s dann noch ein paar kleinere Korrekturen in den Vorausgaben begangener Fehler.

Mike Crane hat für Empires of the Petal Throne in Distributing Eyes and Amulets in EPT zwei Zufallstabellen erstellt, mit denen man bestimmen kann, welche Augen bzw. Amulette ein Schatz denn überhaupt enthält. Ich sehe nicht ganz, wie das das Problem lösen soll, dass im Spielverlauf zu viele „seltene“ solcher Gegenstände ausgehändigt werden können, aber da nur die Namen der Schätze ohne Erläuterung genannt werden, kann ich auch gar nicht beurteilen, welche Augen/Amulette denn überhaupt selten sein sollten, auch wenn die Wahrscheinlichkeitsbandbreite (zwischen 1% und 5%) natürlich gewisse Hinweise gibt.

Mit dem Mythos of Polynesia fügt Jerome Arkenberg dem ständig wachsenden D&D-Pantheon eine weitere Kultur hinzu. Wieder handelt es sich dabei um einen mir völlig unbekannten Mythos, sprich eine demnächst aufzufüllende Wissenslücke.

Frank und Dudley hatte es in den letzten beiden Wormy-Strips ja recht übel erwischt, aber kaum sind die beiden zähen Burschen wieder einigermaßen vollständig, haben sie schon wieder nur Unfug im Kopf und beschließen, den Ogern ein paar der vermeintlich dämonengefüllten Bälle anzudrehen.

War da nicht noch was mit Halloween? Stimmt, und der erste Artikel dieser Ausgabe, der einigermaßen zum Thema passt, ist Another Look at Witches and Witchcraft in D&D aus der Feder von Ronald Pehr, diesmal mit dem ausdrücklichen Ziel, Hexen als Spielerklasse möglich zu machen. Als Balancefaktor dienen dabei vor allem die Erfahrungspunkte und die vergleichsweise hohen Stufen, die eine Hexe erreichen muss, um bestimmte Zauber wirken zu können. Die Klasse macht auf den ersten Blick zumindest den Eindruck, das Thema gut wiederzugeben und wäre definitiv etwas, dass zu spielen ich mir vorstellen könnte. Allerdings nicht im LARP, denn einen Dance of Seduction möchte von mir bestimmt niemand sehen.

Dämonen passen natürlich auch zum Thema. In Demonology Made Easy erweitert Gregory Rihn das System um eine Regelvariante für die Beschwörung und den Exorzismus von Dämonen. Auch die Verhandlungen, möglicherweise notwendige Opfer oder die Konsequenzen eines Fehlschalgs bei der Beschwörung werden in aller Kürze abgehandelt.

Es folgt eine kleine Bilderauslese der 1977er Gen Con inklusive einer Galerie der Gewinner des Strategist Club Awards.

Gary Gygax steuert eine sehr positive Rezension über Source of the Nile bei, ein Spiel, bei dem 1 – 6 Spieler sich daran machen können, den afrikanischen Kontinent zu entdecken und dem Gygax die Züge eines Semi-Rollenspiels zuschreibt. Hört sich vom Thema her ganz interessant, wenn auch sehr langwierig an.

William Fawcett spricht in The Asimov Cluster über die Schwierigkeiten, die bei der Integration von Romanhandlungen oder -szenarien in das Traveller-Spiel entstehen können. Das ganze demonstriert er an mehreren Beispielen, zu denen er passenderweise gleich die Problemlösungen parat hat. Dazu kommen dann noch ein paar Beispielplaneten inklusive Spielwerten.

Werbung: Die betrifft die legendären Module D1-D3, die Quasi-Fortsetzung der „Against the Giants“-Module, in der die Helden sich zum ersten Mal so richtig mit den Drow anlegten.

Allan Hammack gibt anlässlich der Veröffentlichung von Ralf Bakshi’s Lord of the Rings-Adaption einen Überblick über die Entstehungsgeschichte dieses Films, der einen ob des Optimismus Hammacks etwas schmunzeln lässt. Damals hatte er nämlich noch Hoffnung, dass der Film was taugen könnte. Wissen wir heute natürlich besser.

Lyle Fitzgerald betätigt sich in It’s a good day to die als Statistiker und wertet die Todesursachen aus, denen die Spielercharaktere in seiner Runde in den letzten 2-3 Jahren (!) zum Opfer fielen. Und davon gab es eigenen Angaben nach ca. 600 (in einer Kampagne), also eine ganze Menge. Sieger sind übrigens die Goblinoiden vor den Drachen, ansonsten bleibt nur ungläubiges Kopfschütteln .

Allan Hammack erweitert das Strategiespiel War of the Ring um eine Variante für versteckte Bewegungen, um den Spielern der bösen Fraktionen den Verzicht aufs Metagamen zu erleichtern/ermöglichen. Dazu muss man nur die Spielkarte kopieren und einen vierten Spieler als Schiedsrichter einstellen, der Buch über die Bewegungen der Ringgemeinschaft führt, ohne dass die Züge auf dem offiziellen Brett ausgeführt werden. Ständiges Raumverlassen inklusive.

Finieous Finger besteht in dieser Ausgabe vor allem aus einem Recap der verschiedenen Erzählebenen sowie dem abrupten Ende des Kampfes zwischen Drachen und Paladin (wir lernen: Paladine sind nicht nur durch ihre IntelligenzGesinnung, sondern in Vollpanzerung auch in ihrer Sicht beschränkt).

Den Abschluss bildet Charles Seguis Artikel Demonic Possession in the Dungeon, in dem er sich mit einer rein spielleitergesteuerten Möglichkeit befasst, Spieler von einem Dämon in Besitz nehmen zu lassen. Neben den Regeln für bessessene Spielercharaktere darf natürlich auch die Möglichkeit des Exorzismus nicht fehlen, der hier über die Fähigkeit des Klerikers, Untote zu bannen, verwirklicht wird.

Fazit: Horrible Halloween Issue – so stehts auf dem Cover des zwanzigsten Drachen, aber so schlimm fand ich sie gar nicht. Andererseits wird es wohl auch noch eine Weile dauern, bis für mich interessantere Inhalte Einzug ins Magazin halten.

[Rezi] Dragon Magazine #16, Teil 1 – Gary zeigt sich streitlustig

Dragon #16Erst mal ein Kompliment für das Titelbild der sechzehnten Dragon-Ausgabe, dem ersten von Dean Morrissey, dessen Kunst wir noch öfter begegnen werden. Mit Leichtigkeit das bisher beste Titelbild für den Dragon, was es meines Erachtens auch eine Weile lang bleiben würde.

Im Editorial beklagt sich Tim Kask ein wenig über die Tendenz vieler Rollenspieler, sich selbst und ihr Hobby so übertrieben ernst zu nehmen, dass sie darüber ganz vergessen, dass es sich hierbei um eine Art der Freizeitgestaltung handelt, die eigentlich Spaß machen soll. Nun habe ich selbst schon die ein oder andere leidvolle Erfahrung mit solchen Leuten gemacht, kann ihm also in der Sache gar nicht widersprechen. Wenn ich allerdings ehrlich bin, zähle ich Tim Kask in gerade diese Gruppe, insoweit hat es mich etwas belustigt, dass ausgerechnet aus seinem Mund zu hören. Da komme ich aber später nochmal drauf zurück

Egal, jedenfalls erinnert der darauffolgende Leserbrief an ein Prachtexemplar dieser Rasse. Im Dragon #14 hatte jemand sich nämlich gar fürchterlich über den Umgang mit dem Cthulhu-Mythos aufgeregt. Wie sich in der Antwort von J. Eric Holmes zeigt, war das nicht wirklich gerechtfertigt, auch wenn der ein oder andere Seitenhieb von Holmes auch nicht gerade die feine englische Art darstellt.

Jerome Arkenberg wendet sich wieder ernsthafteren Dingen zu und hat die Mythenwelt der Sumerer, Babylonier und Kanaaniten für die Benutzung in D&D aufbereitet. Dabei trifft man auf altbekannte Götter (z.B. Anu, Marduk und Ishtar) genauso wie auf bekannte Helden (Gilgamesh und Enkidu). Diese Mythenwelt ist übrigens auch für modernere Systemvarianten durchaus relevant. Die Entstehung der Drachen Golarions beruht beispielsweise auf dem Mythos von Tiamat und Apsu, den Eltern der babylonischen Götter. Aber das nur nebenbei.

Mit The Ultimate NPC: Ninja – The DM’s Hit Man stellt Sheldon Price den Ninja als Klasse für D&D vor. Den Redakteuren war der wohl deutlich zu stark, so dass sie aus dem eigentlich für Spieler gedachten Beitrag eine Warnung voranstellen, die diese Ninjavariante ausdrücklich als für Spielercharaktere ungeeignet bezeichnet. Mag durchaus sein, allerdings gefällt mir der Artikel trotzdem, weil man durchaus erkennen kann, dass der Autor wirklich bemüht war, den historischen Ninja umzusetzen und nicht einfach nur an irgendeine Klasse den Namen drangeklebt hat.

James M. Ward erzählt ein weiteres Abenteuer der Gruppe Monty Haul. Heute spielen sie mal mit niedrigstufigen Charakteren (so ab Stufe 13-MU aufwärts). Da nimmt der böse SL natürlich keine Rücksicht drauf, so dass der Gruppe nichts übrig bleibt, als sich geschlagen zurückzuziehen.

Die Sorcerer’s Scroll dieser Ausgabe hat es in sich. Gary Gygax beschäftigt sich ausgiebigst mit seinen Kritikern, natürlich im Versuch, diese zu widerlegen. Seine Kernaussagen:

  1. Kritik an Einzelteilen des Systems ist prinzipiell unzulässig, solange diese nicht den Spielspaß insgesamt stören.
  2. Realismus ist für den Spielspaß völlig unwichtig. Wer das fordert, hat das Grundprinzip des Spiels nicht verstanden.
  3. Die Amateurpresse ist fast komplett verachtungswürdig.
  4. Die meisten Nachahmer können eh nichts. Die restriktive Handhabung der Rechtevergabe ist daher auch im Sinne der Kunden gerechtfertigt.

Ich hoffe, es nicht zu verkürzt wiedergegeben zu haben, aber es mag wenig verwundern, wenn ich ihm an manchen Stellen im Grundsatz, an anderen im Detail rechtgebe, in einigen Dingen aber doch heftig widersprechen möchte. Bevor ich das aber tue, lasse ich das EGG einfach selbst erledigen, indem ich die Beispiele aufzähle, mit denen er seine Argumentation untermauern möchte.

  1. Kritische Treffer „are particularly offensive to the precepts of D&D“ Begründung: Erstens muss die Regel dann auch für die Gegner gelten, und zweitens wären dann kritische Patzer zwangsläufig auch einzuführen (!).
  2. Waffenexpertise ist für das Spiel schädlich und außerdem Blödsinn, da der Kämpfer schließlich den Recken des Mittelalters nachempfunden sei, und da sei es ja wohl ganz klar, dass eine Präferenz für eine Waffe nicht bedeute, dass sie die anderen nicht auch beherrscht hätten.
  3. Spell Point-Systeme sind viel komplizierter als das vancianische Magiesystem, und bringen überhaupt keine Vorteile.

Lieber EGG, selten so viel Falsches aus deiner Feder gelesen. Weder erfordert die Einführung kritischer Treffer auch die Einführung eines Patzersystems, noch werden dadurch irgendwelche Grundsätze verletzt. Nicht umsonst sind kritische Treffer in verschiedenen Varianten inzwischen ganz normaler Bestandteil des Systems.

Das Argument zur Waffenexpertise ist besonders lustig. Dass ausgerechnet der Mittelalterkenner Gygax behaupten kann, die Kämpfer im Mittelalter wären in der Führung aller möglichen Waffen gleich begabt und fähig gewesen, zeigt deutlich, dass ihm hier kein gutes Argument eingefallen ist. Dass er ausgerechnet in diesem Zusammenhang ein Realismus-Argument verwendet, ist angesichts seiner offenkundigen Abneigung gegen diesen Begriff ebenfalls höchst amüsant. Und auch hier zeigen spätere Editionen, dass es überhaupt kein Problem ist, Waffenexpertise im Rahmen von D&D darzustellen.

Warum Spell Point-Systeme so kompliziert sein sollen, erschließt sich mir auch nicht. Ich mag zufälligerweise das Vancianische Magiesystem, habe aber ehrlich gesagt ein großes Problem, seinen großen Vorteil gegenüber dem Magiesystem von sagen wir DSA 1 zu erkennen. Und das lässt sich durchaus als D&D-Derivat ansehen. Und wer dieses nicht gelten lassen möchte, sei auf das Magiesystem des Wheel of Time-RPG verwiesen.

Die Belege von Gygax sind also recht fragwürdig, aber auch die Punkte an sich sind einigermaßen diskutabel. Um einzelne Teile des Systems zu ändern oder durch andere Mechaniken zu ersetzen, reicht es völlig aus, wenn man die daraus entstehende Variante als für den eigenen Zweck besser geeignet ansieht. Das war durch alle Varianten von D&D über die Jahre hinweg möglich und macht es ganz bestimmt nicht nötig, deswegen (so Gygax’ Forderung) gleich ein eigenes Spiel zu designen.

Auch seine Abneigung gegen den Begriff Realismus teile ich nur bedingt. Zum einen habe ich allzuoft den Eindruck, dass die Gegner dieses Begriffs die Positionen der Realismus-Befürworter absichtlich verzerrt wiedergeben oder die reinste Wortklauberei betreiben, nur um nicht in der Sache argumentieren zu müssen. Und zum anderen ist Rollenspiel eben nicht einfach nur ein Spiel wie sagen wir Mensch-Ärgere-Dich-nicht und erfordert natürlich Maßnahmen über das reine Regelgerüst hinaus, wenn man die vielzitierte Suspension of Disbelief erreichen möchte. Man mag darüber streiten, welche Maßnahmen das sind, aber die Generalabfuhr, die er hier dem Realismus erteilt, ist völlig übertrieben. Natürlich kann der Begriff missbraucht werden. Man mag darüber streiten, ob vancianische Magie besser ins System passt als Magiepunktsysteme. An dieser Stelle mit Realismus zu argumentieren, wäre aber natürlich vollkommen unpassend. Beim Thema Waffenexpertise stellt sich das schon ganz anders dar. Wer hier aus Gründen einer realistischeren Simulation Änderungen am Grundsystem vornimmt, tut das zu Recht (sofern das für ihn zu einem spaßbringenderen Spielerlebnis führt) und mit gutem Grund.

Bleibt noch seine Kritik an der Fanpresse bzw. den Drittanbietern (wie man sie heute nennen würde) gegenüber. Ich kann nicht ausschließen, dass Gygax und TSR das Ziel unfairer Angriffe waren und die Kritik in dieser Hinsicht durchaus berechtigt ist. Dass die wirklich alle so unfähig waren, mag ich angesichts der Marktentwicklung im Zuge der OGL-Einführung allerdings bezweifeln. Immerhin räumt EGG an dieser Stelle aber die Existenz von Ausnahmen ein, insoweit vermute ich also einfach, dass er hier pauschaler klingt, als er es vielleicht meint.

In dem Zusammenhang sei auf den Blog Roll ‘Em verwiesen, der sich ebenfalls mit diesem Beitrag beschäftigt und ihn in diesem Zusammenhang ausführlicher zitiert. Jedenfalls zeigt sich hier aber sehr schön, dass bei allem Respekt vor Gary Gygax als Ko-Schöpfer von D&D auch dieser nicht vor Betriebsblindheit gefeit war. Was als Trost für alle Hobbydesigner dienen mag, deren Kreationen (ob zu Recht oder zu Unrecht) von anderen kritisiert werden.

P.S.: Das völlig unprofessionelle Nachtreten von Tim Kask am Ende des Artikels wäre übrigens nicht der Rede wert, wenn er sich nicht zu Beginn im Vorwort so über die Leute beklagt hätte, die sich selbst viel zu wichtig nehmen. Da ist dann ein sehr schönes Glashaus zu Bruch gegangen und man erhält unwillkürlich den Eindruck, dass die ihm entgegenschlagende Antipathie durchaus berechtigt ist. Wie man in den Wald hineinruft …

Und weil das jetzt schon wieder ganz schön lang geworden ist, reiche ich den Rest noch nach 🙂

[Rezi] Dragon Magazine #15 – Die zweite Geburtstagsausgabe

Dragon #15Der fünfzehnte Drache markiert gleichzeitig seinen zweiten Geburtstag. Und in bester Hobbitmanier beschenkt der Dragon seine Leser mit einer Extrabeilage, nämlich einem von Wormy-Zeichner Dave Trampier gefertigten Backgammon-Spielfeld. Befindet sich leider nicht in meinem Besitz, ich kann also nicht sagen, ob es wenigstens schön aussieht (persönlich hab ich an Backgammon eh nichts).

Im ersten Artikel geht es um Drachenmagie. Die Variante stammt von Michael Benveniste, der offenbar nicht damit zufrieden ist, dass die Magie der Drachen im Prinzip dieselbe ist, die auch von Elfen und Menschen verwendet wird, und der deswegen eine Zauberliste speziell für Drachen entworfen hat. Über fünf Zaubergrade hinweg enthält diese zwar auch den ein oder anderen Zauber, der auch für normale M-U’s verwendet wird, aber eben auch eine Menge neuer Zauber, die nur von Drachen verwendet werden. Obwohl ich mich in dem Zusammenhang frage, welche religiöse Implikationen wohl damit verbunden sein mögen, dass die Liste auch den Zauber „Wasser zu Wein“ enthält. 😉

Es folgen ein paar Zufallstabellen. Die von Richard Morenoff befassen sich mit der Art und Ausstattung von Fallgruben, ihren möglichen Bewohnern oder darin vielleicht zu findenden Gefangenen. N Robin Crossby hat hingegen eine ganz nette Tabelle zusammengestellt, auf der sich nach Jahreszeiten geordnet verschiedene Ereignisse erwürfeln lassen, von denen eine Region oder eine Siedlung betroffen sein kann. Durchaus geeignet, wenn man seiner Kampagnenwelt ein bissl Dynamik verleihen will, müsste man aber vielleicht noch etwas dran drehen, da es so ausschaut, als könnte mit ein bissl Pech in einem recht überschaubaren Zeitraum eine ganze Menge lossein. Zumindest, wenn man der Empfehlung des Autors folgt und einmal pro Monat würfelt. Sonst aber gefällt mir die Idee sehr gut.

James M. Ward präsentiert den zweiten Teil seiner Monty-Haul-Satirereihe, in dem es diesmal um ein Weltkriegsszenario geht, dass durch des Autors D&D-Brille erzählt wird und daher nicht so ganz dem entspricht, was sich normale Menschen unter einer Simulation vorstellen.

Interessanter da schon seine kurze Abhandlung über die berühmten Wandernden Monster, die diverse Dungeons überall in der Rollenspielwelt bevölkern. Man hätte sich vielleicht gewünscht, dass das Thema etwas ausführlicher diskutiert worden wäre, andererseits mag die Tabelle für wandernde Monster im vierten Level eines Dungeons (die recht viel Platz wegnimmt) als Vorlage für ähnliche Tabellen dienen und kann natürlich auch 1:1 übernommen werden.

Jeff Swycaffer tut es mit seinen Notes from another barely successful D&D Player seinem Vorgänger James Ward nach und präsentiert ein paar eigene Tips für das erfolgreiche Spiel. Man sieht auch wieder, wie sehr sich über die Jahre hinweg doch der Spielstil von der Herausforderung für die Spieler hin zur Herausforderung für die Spielercharakter wegentwickelt hat. Einen ölgefüllten Beutel mit einem Loch zu benutzen, um eine Mumie mit Öl zu bespritzen, würde heute sicher ganz anders gehandhabt als früher.

The Gospel of Benwa erzählt von der Entstehung und dem Wirken des ersten Gottes der Neutralität, insbesondere davon, wie er die Welt erschaffen habe. Dass der Text der Abteilung Dragon Mirth zugeordnet wurde, zeigt, dass er lustig sein soll, aber eigentlich ist er nur albern (Die Welt entstand, weil Benwa so besoffen war, dass er seinen Mageninhalt nicht bei sich behalten konnte, das ist so in etwa das Niveau, auf dem wir uns hier bewegen). Nicht gerade der beste Moment von Autor Jerome Arkenberg, den ich an sich ja sehr für seine Göttermythologien schätze.

Einen sehr schönen Einblick in die Entstehung von D&D liefert Gary Gygax’ Beitrag aus der Sorcerer’s Scroll, in der es um die verschiedenen Maßstäbe geht, die im Rahmen von D&D benutzt werden. Vordergründig geht es um ein Problem, dass dadurch entstand, dass dem Kriegsspiel Fantasyregeln für das Spiel mit einzelnen Charakteren hinzugefügt wurden, und das Spiel später noch um Miniaturen als Visualisierungshilfe bereichert wurde. Dabei wurde nämlich nicht hinreichend darauf geachtet, klar zu formulieren, dass der normale Maßstab von 1 Inch = 10 Yards natürlich nicht für die Reichweite von Flächenzaubern zu verwenden ist. Aus historischer Sicht ist es aber viel interessanter zu sehen, wie das Spiel Schicht um Schicht mit neuen Regeln angereichert wurden, um aus einer Kriegssimulation ein Fantasy-Rollenspiel zu machen.
Erstaunlich fand ich in dem Zusammenhang übrigens Garys Aussage, dass D&D zunächst ganz ohne Miniaturen gespielt wurde, da ich gerade angesichts der Entstehungsgeschichte eigentlich vermutet hätte, dass diese von Anfang an dabei waren. Ein weiteres Mosaiksteinchen, das zeigt, dass Rollenspiel schon von Anfang an weit weniger eindimensional war, als es heute manchmal dargestellt wird.

Und nochmal Tabellen. David Tillery scheint wie ich ein Fable dafür zu haben, Wetteränderungen in seinen Runden darzustellen. Dementsprechend stellt er hier ein System von Zufallstabellen vor, mit denen man das Wetter in Abhängigkeit vom gerade bereisten Gelände auswürfeln kann. Diese Organisation wirkt nicht ganz durchdacht, da Klimazonen offenbar keine Rolle spielen und die gewählten Geländetypen sich teilweise überschneiden (Flüsse, die durch einen Wald fließen, sind ja nun nichts ungewöhnliches). Dennoch sind die Tabellen bei einigermaßen großzügiger Auslegung sicherlich brauchbar.

Stellar Conquest: Examining Movement Tactics von Edward C. Cooper beschäftigt sich mit der Synchronisation der eigenen Schiffsbewegungen innerhalb des Spiels.

The Green Magician aus der Feder von L. Sprague de Camp ist ein bisher unveröffentlichtes Stück Fiktion aus der Harold Shea-Serie. Diese kenne ich nun gar nicht, so dass mir völlig das Vorwissen fehlt. Vielleicht dadurch bedingt reizt mich die Geschichte rein überhaupt nicht, ich hab zwar an manchen Stellen reingelesen, hab mich aber nicht dazu aufraffen können, das Teil komplett zu lesen, auch wenn die oft gebrauchte Grundformel des normalen Erdling, den es in eine andere Welt verschlägt, für mich durchaus nichts abschreckendes hat und ich den Autor eigentlich mag.

In der Comicsektion ist dieses Mal nur Finieous Fingers vertreten, dessen taktische Überlegungen bzgl. seines Duells mit Grond ein sehr vorhersehbares, aber nichtsdestotrotz ziemlich lustiges Ende finden.

Und zu guter Letzt hat noch Boot Hill, das meines Wissens erste Western-RPG, seinen ersten Auftritt im Dragon. Michael Crane hat eine kleine Zufallstabelle mit Wildnisbegegnungen erstellt, in der von Postkutschen über Banditen bis hin zu Indianern einige der typischsten Motive enthalten sind, wie man sie aus dem Genre kennt.

Fazit: Die Zufallstabellen sind teilweise ganz nett, ansonsten hat mich diese Ausgabe nicht so richtig mitgerissen. Hätte fast einen kleinen Zeitsprung gemacht, da meiner Erinnerung nach noch einige solcher Ausgaben kommen werden, bis es für mich so richtig interessant wird. Aber da muss ich wohl durch. 😉

[Rezi] Dragon Magazine #13 – Der Drache kommt jetzt monatlich

Dragon #13Das Titelbild des dreizehnten Drachen, gemalt von Joe Canty, zeigt wohl eine Szene aus der im Inneren abgedruckten neuen Erzählung von Gardner F. Fox. Allerdings hab ich mir Niall immer ein wenig älter und erfahrener vorgestellt. Abgesehen mal davon, dass man solche Szenen nicht mal beim Pro-Wrestling zu sehen bekommt, geschweige denn in einem richtigen Kampf. Nicht das einzige Mal, dass es diese Ausgabe nicht so genau mit den Gesetzen der Physik nimmt.

Ansonsten handelt es sich hierbei um eine April-Ausgabe, was man auch gleich am ersten Artikel, How Heavy Is My Giant aus der Feder von Shlump Da Orc, ersehen kann. Da verwendet der Autor sensationell viel Mühe darauf, eine möglichst komplizierte Formel zu erstellen, um aus der Länge einer Person ihr Körpergewicht zu berechnen. Und nicht nur dass, so ein Riesenwesen muss ja nicht unbedingt aus Fleisch und Blut, sondern kann auch aus anderen Materialien bestehen. Also bekommt man noch gleich eine Tabelle mit der Dichte diverser Stoffe mitgeliefert, damit man diese Berechnung auch für beispielsweise einen Riesen aus Katzengold durchführen kann. Immerhin, die Formel funktioniert, aber so genau will man es doch eigentlich gar nicht wissen. Ok, Orks vielleicht schon. Die kümmern dann auch nicht die Probleme, die der beschrieben Gewichtszuwachs für Riesen in einer Welt mit irdischer Physik mit sich brächte.

In der Sorcerer’s Scroll beschäftigt sich Rob Kuntz dieses Mal mit dem Einfluss von Tolkien auf D&D. Offenbar sind wir noch nicht ganz so weit, dass aus rechtlichen Gründen jeglicher Einfluss komplett abgestritten wird. Aber (und meiner Meinung nach vollkommen zu Recht) auch jetzt schon weist Rob Kuntz darauf hin, dass andere Schriftsteller wie Howard, Burroughs oder Leiber einen viel stärkeren Einfluss auf das Spielsystem hatten, und dass sich Tolkiens Mittelerde eigentlich nicht dafür eignet, mit den Regeln von D&D bespielt zu werden. Ob man jetzt so weit gehen muss, denjenigen, die sich das System eben passend machen, gleich abzusprechen, dass sie noch „richtiges“ D&D spielen würden, weiß ich nun nicht, immerhin betrachte ich gerade diese Flexibilität als eine der großen Stärken des Systems quer durch alle Editionen.

Brian Blume zeigt in Bionic Supplement eine Möglichkeit auf, wie man in Metamorphosis Alpha einzelne Börperteile ersetzen und dadurch gewisse Verbesserungen erwerben kann. Allerdings darf der Spieler nicht selber wählen, welches Körperteil er so „verbessern“ will. Statt dessen wird das Organ auf einer Zufallstabelle ausgewürfelt.

Letztens hatten wir schon Zufallstabellen für den Bau neuer Zufallsmonster, dieses Mal nimmt sich Jon Pickens der Dämonen an. D&D Option: Demon Generation ist ein System von Zufallstabellen, mit dem dem neuen Dämon je nach Stärke verschiedene zufällige Fähigkeiten zugeordnet werden. Auch das Aussehen kann man zufällig ermitteln.

In der zweiten Folge seiner Artikel-Reihe wendet sich Jerome Arkenberg dem Japanischen Mythos zu. Natürlich kann er nur einen kleinen Ausschnitt aus der japanischen Götter- und Mythenwelt präsentieren. Dafür gibt’s dann noch ein paar Kreaturen, Helden und Artefakte zu bestaunen.

War nicht April? Richtig, und zur Feier des Monats sind im Dragon #13 einige lustige Trinklieder mit D&D-Bezug abgedruckt. Da diese sich jeweils an der Melodie bekannter Lieder orientieren, eignen sie sich durchaus zum Nachsingen, obwohl man die für unseren Sprachraum vielleicht erstmal eindeutschen sollte. Herausforderung an mich selber? Mal sehen.

Tim Kask beschäftigt sich in Warlord: Correcting a few Flaws mit dem Kriegsspiel gleichen Namens. Wie immer gilt: kenn ich mich nicht mit aus, aber immerhin kommts mir zumindest so vor, als hätten die Änderungsvorschläge durchaus Hand und Fuß.

Es folgt die Ankündigung des zweiten Creature Feature Contest. Beim ersten Mal mussten die Teilnehmer zu einer Illustration Name und Spielwerte liefern. Dieses Mal dient ein Absatz aus Fritz Leibers The Bleak Shore als Vorlage. Die Gewinner des ersten Contests werden später im heft auch noch bekanntgegeben, die Gewinnereinträge für die nächste Ausgabe des Drachen versprochen.

Wie schon zu Beginn angesprochen ist im dreizehnten Drachen eine weitere Kurzgeschichte aus der Feder von Gardner F. Fox enthalten. In The Stolen Sacrifice bringt sich Niall mal wieder selbst in Teufelsküche, als er in einen Tempel des Dämonengotts Korvassor einbricht, um die hübsche Amyrilla zu befreien, deren Vergehen es war, die Eifersucht der Königin Thyra auf sich gezogen zu haben. Der anschließende Fluchtversuch schlägt fehlt, so dass sich Niall plötzlich selbst als Opfer für Korvassor wiederfindet. Aber natürlich hat auch dieses Mal Nialls Schutzgöttin Emalkartha ihre Finger im Spiel, die offenbar mit allen möglichen anderen Göttern ein Hühnchen zu rupfen hat. Auch wenn sich das bisherige Hauptmotiv der Erzählungen um Niall wiederholt, macht es dennoch Spass, seine Abenteuer mitzuverfolgen.

Finieous Finger und seine Freunde zeigen uns in „How not to enter an Evil Wizard’s Castle“ genau das, während Wormys Aktivitäten offenbar einen sehr belebenden Einfluss auf die örtliche Ökonomie haben, denn schon bilden sich die ersten Imbissbuden, die gegrillte Zwergenburger anbieten.

Den Abschluss macht James Ward mit seinen Notes From A Semi-Successful D&D-Player, einer kleinen Sammlung von Tipps und Tricks. Din inzwischen gut bekannte Everflaming Torch hat hier wohl, noch als Continual Light Wand, ihren ersten Auftritt, außerdem gibt’s Trankfläschen aus Stahl, das 1,50 m-Stahlszepter als Ersatz für die altehrwürdige Dreimeterstange und andere Nettigkeiten.

Fazit: Die relative Kürze des Blogeintrags verräts wohl schon, dass mich diese Ausgabe nicht so recht mitgerissen hat. Dass ich die Storys von Fox und die Götterartikel von Arkenberg mag, habe ich ja schon in früheren Blogs verraten, der Rest ist für mich jetzt nicht so fürchterlich interessant.

[Rezi] Dragon Magazine #12 – Illusionisten, Druiden, Persische Götter und der Lovecraft-Mythos

Dragon #12Die Ausgabe des zwölften Drachen wird von einem weiteren Cover von Elrohir geziert. Auch wieder sehr bunt, gefällt mir aber dennoch besser als das der letzten Ausgabe. Dargestellt wird eine Szene aus der im Inneren enthaltenen Erzählung von Andre Norton (dazu später mehr).

Das Editorial nutzt Tim Kask dieses Mal für einige Ankündigungen: Verdoppelung der Abokosten wegen der Umstellung auf monatliches Erscheinen, auch dadurch bedingt der Aufruf zur Einsendung von Material und außerdem der Hinweis auf einen Sammelband, der die besten Artikel aus den ersten sechs Drachen und den vorangegangenen Ausgabend er Strategic Review sammeln soll.

Das einzig lustige an The More Humorous Side of D&D von Leon Wheeler ist aus heutiger Sicht die Arroganz des Spielleiters, der (teilweise zusammen mit anderen Spielern) einen als besonders dumm ausgeguckten Spieler ständig gegen die Wand fahren lässt und dass dann als lustig verkauft. So verkauft Wheeler das natürlich nicht, statt dessen zeigt er die ganze Zeit nur auf den Spieler. Aber angesichts solcher Spielleiter wundert man sich dann plötzlich weniger, wenn die Spielerbevollmächtigung (Player Empowerment) inzwischen so modern geworden ist.

Interessanter ist da schon der nächste Artikel. Rafael Orvalle wirft „Einen Neuen Blick“ auf den (in der Strategic Review #4 vorgestellten) Illusionisten, macht hier und da einige kleine Regelanfügungen, z.B. was die Fähigkeit angeht, magische Gegenstände zu nutzen, und bastelt vor allem an der Zauberliste, indem er sie um einige Magiersprüche erweitert und den ein oder anderen Zauber modifiziert.

In dieser Ausgabe beginnt Jerome Arkenberg eine meiner Lieblingsserien im Dragon. The Persian Mythos ist nur der erste einer Reihe von Artikeln, in denen verschiedene irdische Göttermythologien mit Spielwerten aufbereitet, und damit dem Spiel zugänglich gemacht werden. Ich finde es immer wieder erstaunlich zu sehen, wieviele verschiedene Denksysteme und Religionen die Menschheit in recht kurzer Zeit hervorgebracht hat, und bilde das auch gerne in eigenen Welten ab. Übrigens finde ich die Tendenz, im Rollenspiel zugunsten eines kleinen, kompakten Pantheons auf diese Vielfalt freiwillig zu verzichten, ebenso erstaunlich. Jedenfalls habe ich nie verstanden, dass es Spieler gibt, denen schon die Götterwelt der Vergessenen Reiche oder Greyhawks viel zu umfangreich war. Aber jedem das seine, schätze ich.

Jedenfalls geht es in diesem ersten Beitrag Arkenbergs um den Zoroastrismus (oder Mazdaismus). Zwar scheinen sich ein paar kleinere Fehler in die Kategorisierung der einzelnen Götterwesen eingeschlichen zu haben. Zu den von Arkenberg „Erzengel“ genannten Amschaspand, zählt er auch Mithra und Sraosha hinzu, die in diesem Zusammenhang eigentlich eher in die Kategorie der Yazata gepasst hätten. Und wenn schon, hätte er auch Rashnu dazu nehmen können, der eigentlich zu den beiden dazu gehört.

Wie dem auch sei, natürlich kommt auch die böse Seite dieses Dualen Glaubenssystem nicht zu kurz. Angra Mainy und ein paar der Daeva sind auch vertreten. Zusätzlich packt Arkenberg auch noch ein paar der Helden der iranischen Folklore dazu. Wenn ich bedenke, dass beispielsweise in Golarion ja durchaus auch eine persisch beeinflusste Kultur existiert, hab ich recht schnell einen Einsatzzweck für diese Religionsvariante. Davon ab bringt mich sowas regelmäßig dazu, etwas rumzurecherchieren. D&D erfüllt hier also voll und ganz seinen Bildungsauftrag.

Der nächste, kurze Artikel ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich doch die Verhältniss im D&D-Universum geändert haben. In Some Thoughts on the Speed of A Lightning Bolt freut sich James Ward doch tatsächlich darüber, dass die Nahkampf-Rundentabelle aus dem Buch Eldritch Wizardry dem Magieanwender eine reelle Chance gegen Kämpfer im direkten Zweikampf gibt. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass im modernen D&D ein Designer so etwas schreiben dürfte, ohne von seinem Redakteur direkt eines auf die Mütze zu bekommen. Sicher waren die M-Us damals deutlich fragiler als heutige Vollzauberer, aber so ganz arm und hilflos, wie man nach Wards Worten den Eindruck bekommen könnte, waren sie auch schon damals nicht.

Ship’s Cargo von James Enders und John Caroll ist noch kürzer und beschreibt ein einfaches System, wie man bei auf hoher See aufgebrachten Schiffen die Ladung bestimmen kann.

The Druids ist ein wunderschöner Artikel von John Brunner, in dem dieser unter Rückgriff auf die historischen Quellen das wenige tatsächliche Wissen über die Druiden der Antike von dem Mythenhaufen zu trennen, der sich in den darauffolgenden Jahrhunderten über die historische Wahrheit gelegt hat. Da lacht mein Historikerherz, zumal ich mich mit einigen der genannten Quellen selbst schon beschäftigen durfte.

Grad waren wir noch bei irdischen Göttern, da legt Rob Kuntz noch ein der Fiktion entstammendes Pantheon nach. From the Sorcerer’s Scroll präsentiert die erste offizielle Umsetzung des Lovecraft-Mythos in D&D-Spielwerte. Diese waren ja auch in den ersten beiden Auflagen des später veröffentlichten Götterbuches Deities & Demigods enthalten, bevor sie dann aus rechtlichen Gründen in der dritten Auflage weggelassen wurde. Da Kuntz deutlich mehr Fluff an die einzelnen Wesen dranhängt als das zuvor Arkenberg getan hatten, erhalten auch Nichtkenner des Mythos einen ganz guten Ersteindruck davon, mit was für grauenhaften Kreaturen man es hier zu tun bekommt.

Shameless Plug, so nennt die englischsprachige Welt wohl das, was Tim Kask veranstaltet, wenn er in gerade mal 14 Zeilen eine unverschämterweise als Review getarnte Lobpreisung des AD&D Monster Manuals anstimmt. Nicht, dass es das nicht verdient hätte, aber für jemanden, der sonst ständig seine redaktionelle Unabhängigkeit betont, ist das schon ein sehr lächerliches Verhalten, zumal selbst die in der letzten Ausgabe enthaltene ganzseitige Anzeige einen höheren Informationsgehalt hatte.

Aber vielleicht musste Kask ja auch einfach nur den Platz vollkriegen, denn im nun folgenden Ausschnitt aus dem ersten D&D-Roman aller Zeiten, Andre Nortons Quag Keep, werden die einleitenden Worte gleich zweimal hingeschrieben. Bei der Gelegenheit fällt mir ein, dass die in den ersten Ausgaben veröffentlichten Erzählungen um den jungen Tunichgut Dunstan offenbar stillschweigend fallengelassen wurden. Aber was solls, die großartige Andre Norton lese ich eh viel lieber.

Der Ausschnitt enthält die Einleitung des Romans, indem man erfährt, dass mehrere Rollenspieler unserer Welt aus unbekannt bleibenden Gründen in Gestalt ihrer Charaktere nach Greyhawk versetzt wurden. Dort verlieren sie allerdings schnell ihre Erinnerungen an ihr früheres Ich und müssen von Hystapes, einem Magier erst wieder über die Geschehnisse aufgeklärt werden. Dieser Magier nun hat nichts besseres zu tun, als die Spieler mit einem Geas zu belegen, um damit sicherzustellen, dass sie der für die Ereignisse verantwortlichen Macht, die er als Bedrohung empfindet, nachstellen und sie zu besiegen versuchen. Interessant wird das Ganze dadurch, dass jeder der Spieler/Charaktere ein Armband trägt, an dem Würfel befestigt sind, die sich in bestimmten Momenten zu drehen beginnen und offenbar immer noch Kontrolle über die Geschehnisse ausüben.

Und damit sind wir für diese Ausgabe auch schon fast am Ende. Bleibt noch zu erwähnen, dass Wormy nach wie vor damit beschäftigt ist, Zwerge zu Mus zu stampfen, und dass Finieous und seine beiden Kumpane auf dem Weg zum bösen Magier Telemark die Vogelscheuche und den Zinnmann erschlagen (Dorothy und Toto können entkommen, der Löwe ist eh gleich getürmt) und aufgrund einer Verwechslung auch noch gleich Geppetto den Puppenmacher abzumurksen versuchen. War ja auch zu leicht, das riesige Schloss mit dem Totenkopftor hoch oben auf dem Berg zu übersehen.

Fazit: Ich bin fast geneigt, diese die beste bisher erschienene Ausgabe des Dragon zu nennen. Die Artikel lesen sich nicht nur gut, sondern enthalten nahezu alle auch nützliche Regelelemente, wenn auch der Hintergrund überwiegt (was in meinem Buch ein dickes Plus darstellt). Mir haben es, wie man wohl gemerkt hat, vor allem die Götterartikel und der zu den Druiden gut gefallen. Und nun, da AD&D am Horizont dräut, segeln wir ja nun auch solangsam in Gefilde, die nicht mehr ganz so old-schoolig sind, aber dafür mehr meinem eigenen Geschmack entsprechen.