[Rezi] Pathfinder Player Companion: Taldor – Echoes of Glory

TaldorAls Paizo seinerzeits die Pathfinder Society einführte, wurden mit einem Schlag fünf Nationen interessant, um die man sich bis dahin nicht sonderlich gekümmert hatte. Andoran, Cheliax, Taldor, Qadira und Osirion stellten die fünf Fraktionen, die innerhalb der Society um die Macht konkurrierten und den Großteil der Agenten der Society stellten. Zeit also, die Spieler mit dem notwendigen Hintergrund zu versorgen, der es ihnen ermöglichen würde, Charaktere aus der jeweiligen Region zu erstellen. Ulisses hat jetzt gerade mit dem Handbuch: Taldor – Nachhall des Ruhms den vierten Band aus dieser Reihe veröffentlicht, und da ich ja eh das alte Format mit dem neuen vergleichen wollte, war das für mich Grund genug, nochmal  in das Buch reinzulesen, dass im Orignal eines der letzten noch für D&D 3.5 veröffentlichten Pathfinder-Bücher war.

Ralph Hoarsleys Titelbild fängt sehr gut einen definierenden Aspekt der taldorianischen Kultur ein. Zwei Kämpfer, beide tragen das Wappen Taldors auf ihrer Uniform, sind in einem tödlichen Kampf miteinander verstrickt, um sie herum ein leichenübersähtes Schlachtfeld. Schon hier wird also deutlich, dass die Taldorianer mehr damit beschäftigt sind, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen, als sich um ihre gemeinsamen Feinde zu kümmern. Auf der Innenseite des Rückeinbandes kann man die Illustration in voller Pracht, also ohne die Querbalken des Titelbildes bewundern, wodurch sie nochmals an Dynamik gewinnt. Störend eigentlich nur, dass Hoarsley sich keine Mühe mit den Gesichtern gegeben hat.

Der Inneneinband ist mit einer wunderschönen Karte Taldors geschmückt, für die Rob Lazzaretti verantwortlich zeichnet. Da werd ich immer ein wenig neidisch, solche Karten würd ich auch gerne können.

Die folgenden 13 Seiten widmen sich der Nation Taldor direkt. Die Geschichte Taldors wird kurz angerissen, wobei der Fokus vor allem auf dem Konflikt mit Qadira und dem dadurch verursachten Niedergang des Reiches liegt. Danach widmet sich der Autor Joshua Frost der Geographie Taldors, wobei sowohl die wichtigsten Städte als auch die größeren geographischen Regionen jeweils kurz beschrieben werden. Nach einer kurzen Beschreibung der Ressourcen wie auch der Gefahren Taldors widmet sich Frost dann den internationalen Beziehungen, die natürlich vor allem von der ehemaligen Weltmachtstellung der Nation geprägt sind. Den Abschluss bildet ein kurzer Abriss der politischen und gesellschaftlichen Struktur Taldors sowie eine Beschreibung des taldorianischen Militärs, das nach wie vor große Summen aus der Staatskasse verschlingt.

Bis dahin war alles reiner Fluff. Die folgenden zwei Seiten voler Charaktermerkmale übersetzen diesen Fluff nun in Regeloptionen für Spieler taldorianischer Charaktere.

Das zweite große Thema des Handbuchs ist Oppara, die Hauptstadt Taldors. Wieder steuert Lazzaretti eine schöne Karte der Stadt bei, die auf den folgenden Seiten etwas ausführlicher beschrieben wird. Die einzelnen Stadtbezirke werden dabei ebenso kurz beschrieben wie die wichtigsten Bauwerke und Bewohner der Stadt.

Trotz der Einordnung in die Kategorie Kampf dürfte die Löwenklinge für kampfbasierte Charaktere weniger interessant sein. Bedient werden eher Barden und Schurken, die sich über diese Prestigeklasse als Spione und Assassinen in den Dienst der taldorianischen Krone (aber auch von taldorianischen Nicht-Regierungs-Organisationen stellen möchten. Löwenklingen sind Meister der Tarnung und schaffen es selbst in großen Menschenmengen, sich schnell und unauffällig fortzubewegen. Damit können sie sich ihrem Ziel ungesehen nähern, um dieses mit ihrem hinterhältigen Angriff zu eliminieren.

Die Anhänger Sarenraes haben es in Taldor besonders schwer, da sie mit dem verhassten Feind Qadira in Zusammenhang gebracht werden und ihr Glaube in Taldor daher illegal ist. Kein Wunder, dass sie einige Zauber und Gebete entwickelt haben, die es ihnen ermöglichen, sich gegenseitig zu erkennen und sich vor ihren Feinden zu schützen, ohne dabei gleich tödliche Gewalt anzuwenden.

Als Bild für die Dekadenz der taldorianischen Oberschicht hingegen bilden die magischen Gegenstände, die in der Kategorie Magie veröffentlicht werden. Von Kleiderschränken, die auf Wunsch das passende Outfit herbeizaubern, über laufende Diwans bis hin zu Operngläsern, mit denen man heimlich den Unterhaltungen anderer lauschen kann, reicht die Palette, und manches davon könnte sogar für den geneigten Abenteurer recht nützlich sein.

Die Unterschicht Taldors bilden die sogenannten Bartlosen, die im Prinzip in Taldor keinerlei Rechte besitzen und deren einzige Hoffnung auf Verbesserung ihres Standes der Eintritt ins Militär ist, der mit gewissen Aufstiegschancen verbunden ist. Gewitzt haben sie allerdings einige Fähigkeiten entwickelt, mit denen sie etwas leichter durchs Leben kommen. Entsprechend enthält die Kategorie Gesellschaft einige Talente, die diese Fähigkeiten abbilden und das Wissen darstellen, dass ein Bartloser als Vagabund, Galeerensklave oder auch als Soldat erworben hat.

Und last but not least wird mit Hafenmeister Hallador eine sehr illustre Persönlichkeit vorgestellt, die die ganze Widersprüchlichkeit der taldorianischen Gesellschaft in einer Person vereint. Ein Bartloser und ehemaliger Krimineller und Galeerensklave, der allen Grund hätte, Taldor zu hassen, statt dessen aber eine tiefe Loyalität zu seinem Land verspürt. Was ihn aber nicht daran hindert, Geschäfte mit dem qadiranischen Erzfeind zu ermöglichen, was von vielen seiner Landsleute als Hochverrat eingestuft werden würde, sollte es öffentlich bekannt werden.

Fazit: PFS hin oder her, für jeden Spielleiter, der in Taldor spielen möchte, aber auch für jeden Spieler, der einen taldorianischen Charakter erstellen möchte, ist dieses Handbuch eine äußerst wertvolle Spielhilfe, die voller Ideen steckt und einen guten Eindruck der Nation und ihrer Gesellschaft verschafft. Man mag bemängeln, dass Teile des Buchs auch oder sogar eher an Spielleiter gerichtet seien, was für ein an Spieler gerichtetes Werk eher ungewöhnlich erscheint. Regelfreunde würden sich vielleicht die ein oder andere Regeloption mehr wünschen, aber ansonsten gibt es eigentlich nichts zu meckern, sondern viel, um sich daran zu ergötzen.

Meine Bewertung daher: 4,2/5 Punkten (bzw. 84%).

Achja, und zum Vergleich mit dem neuen Format: Den 14 Rollen, 2 Archetypen, 2 Talenten und 33 Charaktermerkmalen des Varisia-Handbuchs stehen im Taldor-Handbuch 21 Merkmale, 1 Prestigeklasse, 8 Zauber, 10 magische Gegenstände, 8 Talente und 1 NSC gegenüber. Damit schlägt sich das Taldor-Buch also mehr als wacker und dennoch hat man den Eindruck, dass es zusätzlich viel mehr Text, viel mehr Hintergrundinformation enthält. So gesehen scheint die Frage durchaus berechtigt, welchen Mehrnutzen das neue Format der Handbücher überhaupt hat. Vielleicht unterschätze ich ja den Informationsgehalt des Varisia-Handbuchs für einen neuen Spieler, der sich nicht (wie ich) dort schon recht gut auskennt. Aber ehrlich gesagt wünsche ich mir aktuell das alte Format zurück, schließlich gibt es in Golarion noch sehr viele Länder, denen ich auch ein so ausgezeichnetes Handbuch wünsche, wie das Taldorbuch meiner Meinung nach eines ist.

[Rezi] Pathfinder Player Companion – Varisia: Birthplace of Legends

VarisiaAnlässlich der GenCon 2012 kündigte Paizo unter anderem an, einer ihrer Produktreihen ein kräftiges Lifting zu verpassen. Es handelt sich um die Player Companion-Reihe, die ab sofort wieder monatlich erscheinen soll und deren Inhalt wohl noch besser auf die Interessen der Spieler abgestimmt sein soll, als das zuvor schon der Fall war. Der erste dieser neuen Companions ist inzwischen erschienen und beschäftigt sich, passend zum neuen Shattered Star-Adventure Path mit Varisia, Birthplace of Legends. Das ist auf der einen Seite schön, da Varisia sich seit dem Start des Pathfinder-Universums besonderer Beliebtheit erfreut, trägt aber auch die Gefahr mit sich, auf ausgelatschten Pfaden zu wandern und bereits behandelte Themen ein weiteres Mal zu präsentieren.

Das dynamische Titelbild zeigt die beiden Vorzeige-Iconics Valeros und Seoni im Kampf mit einem alten varisischen Bekannten, dem Teufel von Sandspitze. Der Höllenfeuerodem des Teufels und Seonis Blitze sorgen für die nötigen Special Effekts. Michal Ivan war mir bisher kein Begriff, hier passt er sich aber gut in den Paizostil ein, ohne dabei abzukupfern.

Auf dem Innencover sind die Stammesgebiete der Shoanti auf der Karte Varisias eingezeichnet, zusätzlich erhalten wir noch Informationen über die sieben Quahs (Nationen): Welche Tätowierungen sind für die jeweilige Quah typisch, was sind ihre Haupttotems, und welche Domänen bzw. Mysterien wählen ihre Kleriker und Mystiker? Hier wird auch schon ein Unterschied zu den alten Companions deutlich, der sich durch das ganze Buch ziehen wird, und von dem ich fast hoffe, dass es nicht der neue Stil sein wird. Das Layout wirkt nämlich deutlich zweckmäßiger und gleichzeitig moderner, dafür aber auch unästhetischer und weniger individuell. Ich finde diese grünen Balken jedenfalls schrecklich, aber das mag Geschmackssache sein. Mein spontaner Gedanke war allerdings: Oh nee, machen die jetzt einen auf 4E oder was? Da die Verantwortlichen für das Äußere aber dieselben sind, die mir schon viel Freude gemacht haben, bin ich vorerst gewillt, dass als eines der typischen Paizo-Experimente anzusehen.

Der nächste Unterschied wird ersichtlich, wenn man sich das Inhaltsverzeichnis betrachtet. Zwar gibt es immer noch ein alle Inhalte verbindendes Oberthema, aber teilte sich das in den alten Ausgaben auf 6-7 Artikel auf, sind es hier gleich 16 Einträge, was schon andeutet, dass zugunsten größerer Themenvielfalt dem Einzelthema nicht mehr so viel Platz eingeräumt werden wird. Auch das eine Änderung, die mir nicht unbedingt behagt, da ich persönlich Artikel bevorzuge, die etwas mehr in die Tiefe gehen. Die Inhalte im Einzelnen sind:

For Your Character: Auf 2 Seiten werden kurz die regeltechnischen Inhalte des Companions indiziert und verschiedenen Themen zugeordnet. So kann beispielsweise ein Bardenspieler direkt zu den Seiten blättern, die für ihn vielleicht besonders interessante Optionen enthalten. Außerdem wird mit den Rollen ein in etwa den Charakterthemen der 4E vergleichbares Konstrukt eingeführt, wobei im Gegensatz zur 4E das Thema nicht mit festen Regeloptionen (die Features) verbunden ist. Statt dessen werden einfach nur, teils neue, teils bereits bekannte Regeloptionen genannt, die besonders gut zu der jeweiligen Rolle passen. Außerdem gibt es noch kurze Hinweise, wie man denn einen solchen Charakter ausspielen könne.

Welcome to Varisia: Wieder 2 Seiten mit einer kurzen Beschreibung der Geographie und der Einwohner Varisias, bevor dann die Völker im Einzelnen in Bezug zu dem Land gestellt werden.

Shoanti/Varisians: Kurzbeschreibung der jeweiligen Ethnie, der im Volk gebräuchlichen Namen und ein paar typische Redewendungen. Dazu je zwei neue Charaktermerkmale und je zwei der bereits genannten Rollen. An dieser Stelle fällt auf, dass die Chelaxianer als die dritte große Ethnie in Varisia hier völlig ignoriert werden. Für mich eine der Schwächen des Buchs.

Battle in Varisia: Zwei neue Talente, und zwei neue Archetypen: Der Kapenia Dancer ist ein Archetyp für den Magus, der auf den Kampf mit varisischen Klingenschals spezialisiert ist. Und der Thundercaller, eine shoantische Bardenvariante, deren Name durchaus Programm ist.

Magic & Faith in Varisia: eine kurze aufzählende Beschreibung der Magierakademien in Varisia sowie der Religionen, die in Varisia dominant sind. Keine Regeln zu dem Thema.

Equipment in Varisia: Hier werden die bereits aus dem Kampagnenbuch bzw. den früheren Player’s Guides bekannten Gegenstände aufgelistet und beschrieben, die einen speziell varisischen Hintergrund besitzen

Für mich der Leckerbissen ist wohl die wunderbar gezeichnete, auch für den direkten Einsatz im Spiel geeignete Landkarte Varisias. Im Vorwort wurde auf das Shattered Star Map Folio hingewiesen, wo diese Karte als Poster Map enthalten sei. Ich interessiere mich für die Map Folios sonst nicht so, aber in diesem Fall komme ich tatsächlich ins Grübeln.

Auf den nächsten Seiten folgen je zweiseitige Beschreibungen der drei großen Städte in Varisia (Magnimar, Korvosa und Riddleport), gefolgt von einseitigen Beschreibungen Janderhoffs und Kaer Magas. Diese enthalten neben der Beschreibung jeweils neue Charaktermerkmale und Rollen, die speziell für Charaktere aus der jeweiligen Stadt geeignet sind. Sandpoint and other Settlements gibt einen kurzen Überblick über die restlichen größeren Örtlichkeiten Varisias, auch hier wieder ergänzt durch etwas generischere Merkmale und Rollen.

Bei den Campaigns in Varisia hab ich mich zunächst gefragt, was denn bitteschön die Produktwerbung für SL-Produkte in einem Spielerbuch zu tun hat. Da geht es nämlich auf 2 Seiten um die vier alten APs, die bereits komplett oder teilweise in Varisia spielten. Ganz so schlimm ist es dann aber doch nicht, denn tatsächlich gibt es hier noch ein paar Kampagnenmerkmale, mit denen die Spieler ihre Charaktere besser in die jeweilige Kampagne einpassen können. Ich halte es trotzdem für Werbung, aber wenigstens geschickt gemachte.

Und natürlich darf auch der neue Shattered Star-AP nicht fehlen. Auch hier werden auf 2 Seiten neben ein paar allgemeinen Tips bzgl. der Grundthemen der Kampagne mehrere Kampagnenmerkmale für die Spielercharaktere bereitgestellt. Und da es hier hauptsächlich darum geht, den SC einen Kontakt zur Pathfinder Society zu geben, sind die sogar außerhalb dieses Aps einsetzbar, ohne viel am Hintergrund ändern zu müssen.

Die letzte Seite ist dann wieder der offenen Werbung gewidmet, wobei das insoweit in Ordnung geht, als die beworbenen Produkte jeweils einen deutlichen Bezug zu Varisia haben. Nur einer davon richtet sich allerdings direkt an den Spieler, insoweit ist das wieder so eine Sache.

Ach ja und das Rückseiten-Innencover verzeichnet wieder auf einer Karte Varisias die traditionellen Wanderrouten der varisischen Nomaden und fasst in einer kleinen Tabelle die Entfernungen (sowie die Reisezeit je nach Geschwindigkeit) zwischen den größeren varisischen Städten zusammen.

Fazit: Für alle Spieler, die es zum ersten Mal mit Varisia zu tun bekommen, stellt dieser Companion eine sehr schöne, wenn auch recht knappe Einführung in diese Region und ihre Bewohner ein. Für erfahrene Spieler und Spielleiter enthält das Buch aber inhaltlich/hintergrundtechnisch wenig Neues. Teilweise ist das Material sogar redundant, denn die typisch varisianischen Ausrüstungsgegenstände sehen wir ja nicht erst zum ersten Mal. Die „Rollen“ als Ideengeber halte ich zwar für eine sehr schöne Idee, zumal da auch Regelmaterial außerhalb des Grundregelwerkes angesprochen wird, aber die Verweise zielen natürlich auf bereits bekanntes Material, wer diese Art der Hilfe nicht braucht, wird damit auch nicht so viel anfangen können.

Bleibt also das neue Regelmaterial, dass aus 2 Archetypen, 2 neuen Talenten und einer ganzen Reihe (etwas mehr als 30) Charaktermerkmalen besteht. Das halte ich zwar (ohne genau hingeschaut zu haben) für durchaus brauchbar und auch sehr schön mit dem Thema Varisia verbunden, aber dennoch stellt sich mir hier die Frage, ob man das wirklich braucht

Man merkt, ich stehe dem neugestalteten Companion etwas gespalten gegenüber. Allerdings sehe ich das Produkt natürlich auch immer als Spielleiter, und an diese ist das Produkt nun mal nicht gerichtet. Aber auch als Spieler wären mir etwas tiefergehende Artikel lieber gewesen als kurze, knappe und mit viel Regeloptionen angereicherte 2-Seiter.

Dennoch: Es wäre wohl unfair, aus der falschen Perspektive heraus eine zu schlechte Bewertung zu geben, zumal auch ich als SL die Rollen durchaus als Templates für eigene NSC verwenden kann. Für Spieler, die einen in Varisia verwurzelten Charakter erstellen möchten, enthält der Companion einiges an Ideen- und Regelmaterial und da die Autoren je nach Thema ganz offen auf weiterführendes Material verweisen, ist er wohl auch als Einstieg in das Thema Varisia durchaus nützlich. Ich würde es daher mit 3.7/5 Punkten oder 74% bewerten wollen. Und Leser, die deutlich mehr auf Regelmaterial stehen als ich, können da sicher noch ein paar Prozentpünktchen drauftun.