Was die anderen so schreiben (26.11.19)

Im Moment komm ich mit nichts aus den Pötten, aber immerhin hab ich mich die letzten beiden Tage mal wieder ein bissl verstärkt in der Blogszene umgetan, und bin dabei auf ein paar lesenswerte Beiträge gestoßen.

Über den Blog von AngryGM hab ich bereits das eine oder andere Mal gesprochen, mit den beiden letzten Beiträgen hat er mich aber mal wieder so richtig gekriegt. In Maps: What’s on your table? Und dem Nachfolgepost Appendix: Break your Mapaholism beschäftigt Angry sich mit den Vorteilen, vor allem aber auch mit den Nachteilen, den der Einsatz verschiedener Formen von Karten im Spiel mit sich bringt und plädiert dabei für einen eher vorsichtigen Einsatz von Karten zugunsten des Theater of Mind. Und viele seiner Beobachtungen kann ich nur zu gut nachvollziehen bzw. Habe sie an mir selbst wahrgenommen.

Mike Shea hat auf Slyflorish.com einen ganz interessanten Beitrag zum Thema Fallen in D&D gepostet. Genauer gesagt geht es dabei um Möglichkeiten, Fallen geschickt so einzusetzen, dass sie nicht den Gameflow und damit das Narrativ negativ beeinflussen The Flow of trap detection mag Spielern, die es gerne herausforderungsorientiert mögen, ein paar Schritte zu weit gehen, aber als jemand, dessen Spieler kein allzugroßes Interesse an diesem Aspekt des Spiels zeigen, hat mir der Beitrag ein paar Denkanstöße gegeben, wie ich in Zukunft mit dem Thema Fallen besser umgehen könnte.

DM Davidbeschäftigt sich in Turning Character Deaths in D&D into deals that benefit Game and Story mit der Frage, wie man den Tod in D&D als echte Möglichkeit behalten kann, ohne damit den Spielern den Spielspass zu verderben. Ich bin nicht in allem seiner Meinung, vielleicht, weil ich im Gegensatz zu David kein Old-School Gamer bin und erst auf D&D gestoßen bin, als ein deutlich erzähllastigerer Ansatz Verbreitung gefunden hatte. Ich teile insbesondere die Meinung nicht, dass D&D ohne echtes Todesrisiko langweilig wäre, nur begrenzt, da das Spielziel zumindest in meinen Runden noch nie „Überleben“ gelautet hat. Charaktertod ist daher ein oft eher disruptives Element für das Spiel, weil er es dem Charakter verwehrt, die eigentliche Challenge des Spiels zu bestreiten.

Davon unabhängig sind DM Davids Ideen, wie man den Tod aus- bzw. durch andere Konsequenzen ersetzen kann durchaus bedenkenswert.

Zu guter Letzt sei noch Tomas Gimenez Riojas schöner Artikel über Game Prep Improvisational Tips auf tribality.com genannt; diese beinhalten Tips für den schnellen Namensverleih an eigentlich unbenamte NSCs, wie man diesen schnell ein wenig Charakter einhauchen kann und wie man schnell zu Gesprächsthemen für Unterhaltungen kommt, die im Spiel von den SC belauscht bzw. überhört werden können. Ist nicht alles ganz neu, aber für beginnende Spielleiter sehr nützlich (und als Erinnerung für alte Säcke wie mich auch ganz gut zu gebrauchen).

 

Die RPG-Blog-O-Quest im Oktober: No-Gos am Spieltisch

wormyDen RPG Carneval kenne ich ja sowohl in seiner englischen als auch der deutschen Version, über die RPG-Blog-O-Quest bin ich aber erst kürzlich eher zufällig gestolpert. Und habe spontan entschieden, dass das auch ein schönes Format ist, an dem ich mich versuchen möchte. Die Oktoberfragen dieses Monats kommen von Jaegers.net und haben es ganz schön in sich.

  1. Gibt es Menschen, mit denen Du nicht gemeinsam an einem Spieltisch (egal ob physisch oder virtuell) sitzen möchtest? Welche sind das und wie gehst Du damit um? (Keine Namensnennung …)

Das ist ja schon mal eine Frage, die nach zwei Antworten verlangt. Es gibt nämlich zwei Gruppen von Menschen, mit denen ich nicht gemeinsam an einem Tisch sitzen möchte. In die erste Gruppe fallen Spieler, die einen mir komplett entgegengesetzten Spielstil pflegen. Die das Spiel als Wettkampf zwischen Spielleiter und Spielern betrachten, denen die Mechanik vor allem anderen geht, die für narratives, charakterzentriertes Rollenspiel nur Verachtung übrig haben und in deren Runden ein normal gebauter, nur wenig optimierter Charakter keine Chance hat, weil alle anderen so hochgezüchtet sind, dass der Spielleiter gar nicht anders kann als mit entsprechenden Herausforderungen zu kontern. Oder auch einfach Spieler, die unbedingt böse Charaktere spielen wollen.

Wohlgemerkt, hier geht es mir nur um den Spielstil, nicht um die Menschen dahinter. Mit diesen Menschen gehe ich vielleicht gerne ein Bier trinken oder spiele irgend etwas anderes, aber Rollenspiel, wie sie es mögen, macht mir keinerlei Spaß, darauf verzichte ich lieber. Hab ich probiert, hat nicht funktioniert.

In die zweite Gruppe hingegen fallen Menschen, mit denen ich mich auch nicht freiwillig in einem Raum aufhalten wollte. Worunter insbesondere Menschen fallen, die mich aufgrund meiner (noch folgenden) Antwort auf die Bonusfrage als linksgrünversifftes Kommunistenschwein bezeichnen würden.

  1. Was geht für Dich am Spieltisch (out-game) nicht? Alkohol, fettige Pommes, lautstarkes Rülpsen oder Körperkontakt? Wie ist das vereinbart?

Hm, ein gewisses Maß an Umgangsformen sollte man schon mitbringen, und da bei mir oft meine Kinder mitspielen, ist weder Rauchen noch Alkohol gerne gesehen. Rauchen geht bei mir in der Wohnung eh nicht, bei Alkohol bin ich aber nicht päpstlicher als der Papst, solange es sich in Grenzen hält. Ansonsten hab ich da nie Probleme gehabt, von daher gab es noch nie den Zwang dazu, konkrete Regeln aufzustellen.

  1. Was geht für Dich in-game nicht? Gibt es Tabus zu Themen oder Handlungen? Und wie kommunizierst Du das?

Wie gesagt leite ich auch für jüngere Zeitgenossen, und in diesen Runden versuche ich natürlich, den Grad an Horror und Gewalt altersentsprechend anzupassen (ich hab meiner Nichte einmal aus Versehen Alpträume verpasst, und das soll mir nicht noch mal passieren).

Ansonsten bin ich bisher ganz gut ohne Tabus und Verbote ausgekommen. Spieler die ich nicht kenne, werden offen darüber informiert, dass sie mir mitteilen dürfen, wenn ihnen etwas zu weit geht, oder wenn sie bestimmte Handlungen nicht im Spiel sehen wollen. Prinzipiell aber leite ich meine Spiele schon so, dass die Atmosphäre zwar gerne auch mal düster und grimmig sein darf, komme aber im Allgemeinen ganz gut ohne allzu explizite Darstellung von Gewalt aus. Mehr Herr der Ringe sozusagen, und nur wenig Game of Thrones.

  1. Wie reagierst Du, wenn ein Spieler sich in- oder out-game in deine persönliche No-Go-Area begibt, vielleicht sogar nachhaltig oder gezielt?

Hängt wieder davon ab, von welchem Bereich wir sprechen. Wenn es um spielstiltechnische Fragen geht, würde ich versuchen, mit dem Spieler Kompromissmöglichkeiten auszuloten. Nur selten sind da die eigenen Standpunkte so weit auseinander, dass man keinen finden kann. Im Zweifelsfall würde ich mich aber lieber in aller Freundschaft von einem solchen Spieler trennen, wenn abzusehen ist, dass einer von uns beiden auf Dauer keinen Spaß am Spiel haben wird.

Die andere No-Go-Area betrifft ja eher den menschlich-politischen

Bereich, da kann es schnell auch mal kritisch werden, da ich sehr starke Überzeugungen habe, wie ein anständiger Mensch sich zu verhalten hat, selbst wenn er eine andere politische Einstellung als ich hat. Hier wird es also mit Kompromissen schwierig, und ich halte auch nicht viel davon, das Thema am Spieltisch totzuschweigen, nur weil die Person mir gegenüber eigentlich doch ganz nett ist, solange man nicht über politische Themen spricht.

  1. Als dezenter, die Immersion nicht störenden Hinweis auf das Überschreiten einer roten Linie wird gerne auf das Konzept der X-Card verwiesen. Nutzt Du dies? Wie sind Deine Erfahrungen damit, oder warum verwendest Du sie nicht?

Hehe, das kommt wohl davon, wenn man sich fast ausschließlich mit D&D und Pathfinder beschäftigt, von der X-Card hab ich tatsächlich noch nie was gehört. Kurzes Googlen hat mich aber neugierig gemacht, und ich werde das wohl einfach mal in meinen Spielen in Zukunft ausprobieren. Ist gerade für die Kids am Tisch vielleicht einfacher, wenn sie einfach die Karte ziehen können.

Bonusfrage(nkomplex): Auf einer zunehmenden Zahl an Veranstaltungen werden klare Regeln hinsichtlich des No-Gos von sexueller Belästigung und dem Umgang damit aufgestellt und propagiert. Wie ist Deine Meinung dazu, brauchen wir das explizit oder sollte das nicht in der Gesellschaft verankert sein? Ist das nur eine “modische” Folge des #meetoo-Hypes? Ist das im Rollenspielumfeld 2018 wirklich nötig? Fühlt ihr euch damit wirklich besser oder verkrampft das die Situation nur?

Hm, ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie hoch die Notwendigkeit hier in Deutschland ist, da ich mich in den letzten Jahren vor allem in amerikanischen Communities rumgetrieben habe. Prinzipiell bin ich der Meinung, dass so etwas im Jahre 2018 eigentlich nicht mehr nötig sein sollte. Da ich aber in meinem Beruf mit sehr vielen Menschen zu tun habe, bin ich an der Stelle etwas desillusioniert. Es gibt immer noch genügend Männer, die Schwierigkeiten damit haben, Frauen als gleichberechtigte und gleichwertige menschliche Wesen anzusehen, und die gerne mal über die Stränge schlagen, weil sie gar nicht erkennen, wie sexistisch ihr Verhalten eigentlich ist. Auch die Reaktionen auf die #metoo-Debatte waren ja nicht nur ermutigend. Und erst kürzlich hat der Beginn des Pathfinder 2-Playtest genau an der Stelle hohe Wellen geschlagen, da Paizo in ihrem Playtest-Dokument sehr explizit No-Gos formuliert haben und dass einigen Spielern ganz gewaltig aufgestoßen ist.

Daher begrüße ich es durchaus, wenn hier klar kommuniziert wird, was nicht geht, zum einen, um potentielle Übeltäter abzuschrecken, aber auch, um alle anderen dafür zu sensibilisieren, nicht wegzusehen, wenn so etwas in ihrem direkten Umfeld geschieht. Ich glaube auch nicht, dass das die Situation verkrampft, ich renne ja nun auch schon ein paar Jahre als Mann durch die Gegend ohne Frauen als minderwertige Wesen zu betrachten oder gar sexuell zu belästigen, so schwer ist das eigentlich gar nicht.

Viel wichtiger ist es mir an der Stelle aber, dass Rollenspiel als Hobby einfach so inklusiv wie möglich sein sollte. Schlimm genug, dass man an der Stelle immer noch über Frauen reden muss, aber das kann nur der Anfang sein. Es darf einfach nicht sein, dass irgendein potentieller Spieler ohne eigenes Verschulden, nur aufgrund irgendeiner Eigenschaft, für die er nichts kann, von anderen Spielern abgelehnt und vom Mitspielen abgehalten wird. Dafür ist unser Hobby zu klein, das können wir uns a) einfach nicht leisten und b) sollten wir inzwischen eigentlich zu intelligent für so einen Blödsinn sein.

Und wie bei Antwort 1 bereits angedeutet: Wer das unbedingt anders sehen muss, fällt in die Gruppe von Menschen, die ich in meiner Rollenspielrunde nicht haben möchte.